[Head] TaiChi im Allgemeinen


[Grafik: 'Das Tai-Chi Symbol (Yin/Yang)']
Die TaiChi-Monade (allgemein auch als "Yin/Yang"-Symbol bekannt) mit den acht Trigrammen rundherum.
 

Was ist "TaiChi" eigentlich?

Tai Chi Chuan ist eine alte chinesische Bewegungskunst. Es ist Meditation, Gesundheitsübung und Kampfkunst zugleich. Seine äußere Form sind fließende, harmonische Bewegungen, die auf langsame Weise, ohne Anstrengung ausgeführt werden.

Die "Tai Chi-Form" ist eine Folge von vorgegebenen Bewegungsformen, die, im Zeitlupentempo, ohne Unterbrechung ineinander übergehen. 37 Bewegungsformen gibt es im klassischen Yang-Stil (mit Wiederholungen im ganzen 80), die - im empfohlenen Tempo ausgeführt - etwa 15-20 Minuten zu ihrer Ausführung in Anspruch nehmen.

   [Foto: 'Tai Chi - Chinesischer Volkssport']
TaiChi ist in China Volkssport
Im Auftrag der chinesischen Regierung wurde der Yang-Stil Anfang der 50er Jahre auf seine medizinischen Wirkungen hin untersucht. 1955 wurde eine verkürzte Form des Yang-Stils daraufhin in China publiziert und dem Volk empfohlen.

TaiChi ist geeignet sowohl für junge wie für ältere Menschen, für Männer und für Frauen, für Starke und für Schwache. Es erfordert kein besonderes Talent oder außerordentliche Fähigkeiten. Wer normal spazierengehen kann, ist grundsätzlich in der Lage, Tai Chi zu erlernen und zu üben. Überanstrengungen und Verletzungen durch Leistungsdruck oder Konkurrenzdenken werden vermieden, denn der Weg des Erlernens ist das Ziel...
Der Name Tai Chi Chuan ist chinesisch und kann heutzutage auf verschiedene Weise geschrieben werden. Bekannt sind unter anderem Tai Ji Quan, T'ai Chi Chuan, Tai Qi etc. Im Volksmund wird es auch chinesisches Schattenboxen genannt. Tai Chi meint "das höchste Prinzip" oder die Lehre von "Yin und Yang". Chuan bedeutet "die Faust" oder der Weg, die Form.
Durch einige Minuten Übung täglich gelangt der Mensch zu Entspannung ohne Erschlaffung, zu Stärke ohne Verhärtung, zu Anmut und Leichtigkeit, Vitalität ohne Nervosität. Der Körper öffnet sich, wird geschmeidig und frei beweglich.

Die gesundheitliche Wirkung von Tai Chi Chuan ist vor allem für Menschen segensreich, deren Beschwerden eine Folge von zuviel Streß und zuwenig Bewegung sind. [Foto: 'Tai Chi - Ruhe und Gelassenheit für jeden'] Weil in Europa die Lebenweise der meisten gerade durch diese Probleme charakterisiert ist, und viele unter den sogenannten Zivilisations-krankheiten leiden, konnte Tai Chi Chuan bei uns so großen Zuspruch finden; seine gesundheitsfördernde Wirkung entfaltet sich am besten unter Lebensumständen, wie sie bei uns vorherrschen.

Der Körper wird in der Bewegung soweit entspannt, daß die Muskeln die geringstmögliche Grundspannung erhalten, durch einen bewußten, tiefen Atem wird der Körper optimal mit Sauerstoff versorgt. Gelenke und Sehnen werden geschmeidig und flexibel, die Hormonproduktion wird angeregt. Die Korrektur der Bewegungsmuster klärt Haltungsfehler und damit verbundene Schädigungen des Körpers. Auf der energetischen Ebene wird der Fluß des "Ch'i" erreicht.

Der Begriff "Ch'i" bedeutet Atem oder Energie und ist im Westen vor allem aus der schulmedizinisch anerkannten Akupunktur und Akupressur bekannt. Diese Lebensenergie soll möglichst frei fließen, ohne daß sie verschwendet oder blockiert wird.
Die westliche Medizin sieht in dieser Übung eine bedeutende Stärkung des zentralen Nervensystems, die Wohltaten für den ganzen Organismus zur Folge hat: Steigerung der Konzentrationsfähigkeit, innere Ruhe und Ausgeglichenheit, geschmeidige Muskeln, verbesserte Reflexe, erhöhte Beweglichkeit, Anregung des Kreislaufs. Die übrigen Organsysteme, Skelett, Lymphe, Lungen und Niere, Verdauungsorgane, endokrine Drüsen, Nervensystem, Sinnesorgane werden ebenfalls gekräftigt. Die Freude, die die Übung macht, wirkt positiv auf das Nervensystem. Schmerzen, Schlaflosigkeit, Mattigkeit, Nervosität, Verspannungen, Durchblutungs-störungen - nicht nur Störungen die der "Neurasthenie" (nervöse Erschöpfung) zugerechnet werden, verschwinden nach einiger Zeit regemläßiger Übung.
Verschwendung entsteht zum Beispiel durch zu hohe Muskelanspannung, Blockade entsteht zum Beispiel durch ungenügendes Ein- und Ausatmen, das heißt mangelnde Sauerstoffversorgung.

Auf der geistigen Ebene führt Tai Chi Chuan zur Entspannung, Konzentration und Beruhigung des Geistes, Ausgeglichenheit des Wesens und - durch Spaß an der Bewegung - zur Freude der Seele.

[Foto: 'Für uns ungewohnt - viele treffen in China sich zum gemeinsamen Tai Chi...']
 

Tai Chi als Kampfkunst - Bei den Kampfkünsten unterscheidet man zwischen der inneren und äußeren Schule. Äußere Kampfkünste (z.B. Win Tsun, Karate, Tae-Kwon-Do) betonen sowohl bei einem Angriff, als auch bei der Verteidigung vor allem Muskelkraft, Schnelligkeit und die direkte Konfrontation mit dem Gegner. Taichi Chuan - als innere Kampfkunst dagegen - ist berühmt geworden, weil sie einen Angreifer besiegen kann, ohne ihn zu verletzen. Weichheit und Nachgeben, statt Starrheit und Härte ist der Weg des Taichi Chuan. Einem Angriff nicht widerstehen, sondern seiner Bewegung folgen, mit ihr eins werden, ohne den eigenen Stand zu verlieren und sie dann ins Leere laufen lassen.
In China sagt man:

"Wer täglich Tai Chi Chuan übt, wird geschmeidig wie ein Kind,
kräftig wie ein Holzfäller und gelassen wie ein Weiser."

Hier noch eine wundervolle Umschreibung für TaiChi aus dem Buch "Krankheit als Sprache der Seele" (von Rüdiger Dahlke): "Das schönste Bild dieser Haltung scheint mir der Tai-Chi-Meister,

[Foto: 'Tai Chi im Einklang mit der Natur']
 
der einen Vogel durch seine Geschmeidigkeit fängt. Aufrecht und ruhig stehend, bietet er dem Vogel auf seiner Schulter Platz. Der Vogel landet, weil er in der Furchtlosigkeit des Meisters spürt, daß er auch keine Furcht zu haben braucht. Als er wieder weiterfliegen will, gelingt es ihm nicht. Sobald er sich abstoßen will, gibt der Meister in seinen fließenden Bewegungen nach. Damit der Vogel die Freiheit zurückgewinnen kann, muß der Meister ihm Widerstand bieten."



Tipp: Diesen Text (geringfügig geändert) gibt's hier in einer druckfreundlichen Version!
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